Wahrscheinlich wird sich der ein oder andere fragen, ob die von MotoMonster jetzt komplett ausgeflippt sind – hier einfach so eine 125er als Highlight zu präsentieren. Um ganz ehrlich zu sein – wenn eine 125er so schnittig und stylish daher kommt wie die neue Duke von KTM, dann sehen wir es als unsere gottverdammte Pflicht, uns das Gefährt ein wenig genauer anzuschauen. Und nur, um den Oberboss ein weiteres Mal ins Spiel zu bringen: Gott sei Dank haben wir das getan.
Um ehrlich zu sein, der Motorradmarkt ist nicht gerade auf dem Höhepunkt seiner Entfaltung und es wird zunehmend schwieriger, junge Leute fürs Zweirad zu begeistern. Was ist denn heute noch cool am Thema Motorradfahren, wenn Papas und Opas der heranwachsenden Generation vorleben wie Motorradfahren auszuschauen hat. Hätte uns das heutige Bild eines Motorradfahrers damals in den 80ern gepackt und dazu angeregt es nachzumachen? In Gore-Tex Klamotten eingepackte ältere Herren, die mit wahlweise gelben oder roten Warnwesten über die Autobahnen ziehen? Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht!
Landesweite Absprachen der Industrie, welche das politische Bild des bis dato verruchten Motorradfahrers gerade rücken sollten, sorgten in den vergangenen Jahren dafür, dass Werbung keine Wheelies und sonstige unanständige Fahrmanöver zeigen darf. Ist ja auch Unsinn – kaum ein Mensch fährt mehr als 0,002 Prozent seiner Kilometer auf dem Hinterrad. Vielleicht sind diese Absprachen ja auch überhaupt nicht Schuld und alleine die Demographie in unserem Land bestimmt das Bild auf den Straßen. Fakt ist aber, dass der Einstieg in die Szene verdammt teuer ist. Solange man als 16-Jähriger mit 1.300 Euro Führerscheinkosten und rund 500 Euro Versicherung im Jahr zu kämpfen hat, wird der Nachwuchs nicht gerade in Scharen sprießen. Es sei denn, es wäre wieder verdammt cool, ein Moped zu fahren.
Eine nette Marketing Faustregel besagt: Schaffe etwas, das 14-17 Jahre alte Mädels interessiert und du bekommst die Jungs dazu, sich dafür zu begeistern. Nun bleibt nur zu hoffen, dass genügend Mädels die Duke cool finden und Wert darauf legen, dass ihr Macker sie stilgerecht von A nach B befördern kann.
Die kleine Österreicherin macht an sich schon alles richtig. Sie sieht schick aus und holt das Maximum an zulässiger Leistung aus dem doppelgenockten Einzylinder heraus. Ein Leichtkraftrad, das es endlich wieder schaffen könnte, die Jugend zu begeistern.
Doch wer soll ein solches Gerät denn testen? Als normaler Erwachsener findet man doch überhaupt keine Relation zu dem dargebotenen 15 PS Hobel. Daher zerrten wir einen verschwägerten 17-Jährigen mit zum Pressetermin und wunderten uns nicht schlecht, dass andere Redaktionen diesen Umstand vollends außer Acht ließen. Unser Kim schwang sich mit Begeisterung auf das Turngerät und fuhr die im Navi vorprogrammierte Teststrecke artig ab. Im normalen Leben bewegt er eine MZ 125 SX, während er zu reinen Geländeausfahrten lieber seine 250er Zweitakt-Kawa anno 1995 ausführt. Sein Ansatz bei der Probefahrt war deutlich: "Meine MZ ist die beste 125er am Markt! Ich bin gespannt was die Duke so kann."
Die Tour führte ihn über eine Bundesstraße, durch Ortschaften und entlang wunderschöner Landstraßen in der Schwäbischen Alb. Die etwa 30 Kilometer lange Tour hatte alle Facetten eines Motorradalltages zu bieten. Auf der sechsspurigen Bundesstraße konnten die offenen Dukes gut im Verkehr mitfließen. Kim hatte mit der 80 km/h Variante keine andere Wahl, als sich auf der rechten Spur von LKWs anblinken zu lassen. Doch da kann die Duke nix für und das Fass brauchen wir an dieser Stelle nicht mehr zu öffnen. Schließlich wird diese Begrenzung ab 2013 endlich ad acta gelegt.
Ein Teil der Bundesstraße führte durch einen längeren Tunnel, der ein kleines Feature sehr angenehm in Szene setzte. Im optimalen Fall muss man bei einem Motorrad keinen einzigen Blick auf die Schalterchen werfen, da diese bei allen Motorrädern an gewohnter Stelle sein sollten. Doch die kleine Duke geht auf Nummer sicher. Die Armaturen am Lenker sind beleuchtet! Eine dezente Hintergrundbeleuchtung zeigt zuverlässig die Position von Blinker- und Lichtschaltern an. Das dient nicht nur der Übersichtlichkeit, sondern schaut obendrein auch noch verdammt cool aus.
Ein wenig Kopfzerbrechen machten wir uns im Vorfeld über die No-Name Reifen indischer Herkunft, welche ab Werk das Geläuf der Duke ummanteln. Ein Umstand, den wir unserem Piloten natürlich verheimlicht hatten, damit er seinem jugendlichen Leichtsinn ohne Hemmschwellen freien Lauf lassen konnte. Die Landstraße diente hier als hervorragendes Terrain diese Zweifel zu widerlegen. Kim ließ die Duke in gewohnt rassiger Manier durch die Kurven und bezeugte den Pneus äußerst zuverlässigen Grip. Aber die Reifen dürfen sich ja auch auf ein unglaublich erwachsenes Fahrwerk stützen. Die Österreicher haben ihrem jüngsten Spross im Heck ein ordentliches WP-Federbein implantiert, während die Bodenhaftung vorne durch eine 43mm starke Upside-Down Gabel gewährleistet wird. Eine einzigartige Kombination im Bereich der Leichtkrafträder, was bei einem Preis von 4.000 Euro umso erstaunlicher ist.
Wer die kleine Duke durch die Kurven lässt, der wird kaum etwas von einem großen Motorrad vermissen. Naturgemäß ist das Rausbeschleunigen weniger zornbehaftet als bei großen Maschinen, doch die unfassbare Agilität der Kleinen lässt dies schnell vergessen. Bereitwillig und ohne Kraftaufwand neigt sich die knapp 130 Kilo leichte Österreicherin in jede heranrauschende Kurve. Auch in Stabilität und Spurtreue gibt es keinerlei Abstriche zu machen. Lange Kurven zieht man problemlos durch, kann ohne Überraschungen den Radius korrigieren und sobald der Scheitelpunkt erreicht ist, bedenkenlos wieder den Hahn voll aufspannen, um der nächsten Richtungsänderung entgegen zu fiebern.
Der kleine Viertakter hatte auf der Tour einige Bewährungsproben zu leisten. Kim konnte aber auch an steilen Bergaufstücken stets bis in den Begrenzer beschleunigen. Dabei fiel dann die Achillesferse der kleinen Duke auf – der 80 km/h Begrenzer. Kim umschreibt das Einsetzen der elektronischen Zündunterbrechung als äußerst ruppig und alles andere als komfortabel. Darauf angesprochen antwortete uns Projektleiter Andreas Wimmer voller Zuversicht, dass dieser Hemmschuh zeitnah Verbesserung erfahren wird.
Nebenbei bemerkt macht es mit der offenen Variante der 125er umso mehr Spaß die Pässe hoch zu räubern und den vollen Schwung mit möglichst runder Fahrweise von einer Kurve in die nächste zu retten. Der Antritt des Einspritzers ist bei offener und begrenzter Variante absolut gleich. Genau wie beim vom Aussterben bedrohten Hauptkonkurrenten steht über den kompletten Drehzahlbereich die volle Power zur Verfügung und die Elektronik regelt erst beim Erreichen der Nenngeschwindigkeit ab. Doch der Einspritzer aus Österreich zeigt sich gerade von unten heraus kraftvoller als die 125er MZ und hält diesem Eindruck bis in höhere Drehzahlen auch stand.
Am vereinbarten Fotopunkt angekommen, zog Kim das erste Mal Resümee: "Die Duke zieht echt gut für eine 125er. Wahrscheinlich sogar besser als meine MZ. Der absolute Hammer ist aber das Fahrwerk. Hier hat mein Motorrad keine Chance gegen die Duke." Was den aktiven A1-Pilot besonders beeindruckte war die Tankanzeige. Aber weniger wegen des Gimmicks, überhaupt eine zu haben, sondern wegen des Wertes der ihm angezeigt wurde. "Wenn die Anzeige stimmt, dann ist das echt ordentlich. Wenn das Ding echt unter 3 Liter fährt, dann gibt's da überhaupt nix zu meckern." Im späteren Video-Interview zeigte sich der Knabe dann ein wenig zurückhaltender und wirkt aufgrund seiner Aufregung doch deutlich weniger enthusiastisch als beim Plausch mit der Verwandtschaft.
Das Erscheinungsbild der Serien- Duke könnte kaum weniger KTM-typisch sein. Selbst die Modelle, welche in anderen Farben präsentiert werden, lassen auf den ersten Blick den Hersteller erkennen. Hier hat Kiska- Design einmal mehr voll ins Schwarze getroffen. Der Ansatz, das Moped nach einem echten und vollwertigen Motorrad ausschauen zu lassen, hat vollends funktioniert. Das allgemeine Erscheinungsbild kommt ausgesprochen erwachsen rüber und wird durch den Einsatz entsprechend hochwertiger Komponenten und Oberflächen zusätzlich untermalt. Doch die 125 Duke verpasst dennoch nicht den Anschluss an die jugendliche Zielgruppe. Wie ein Transformer kommt sie daher und wenn man es genau betrachtet, hat sie genau das auch drauf. Die Serienmaschine wurde mit einer unfassbar reichhaltigen Auswahl an Power Parts gelauncht, mit denen man seine Duke mannigfaltig personalisieren kann.
Das Display der Duke – früher nannte man so etwas noch Tacho – setzt zwar kein Informatik- Studium voraus, ist aber vollgedonnert mit Funktionen und Anzeigen. Als erstes wäre da die Geschwindigkeit zu beachten, den sonst so schnöden Tageskilometerzähler gibt es gleich in doppelter Ausführung, zudem ein Drehzahlmesser, eine Uhr, eine Anzeige für Wassertemperatur, eine Ganganzeige und, was unseren Kim besonders freute, die Tankuhr mit spannender Verbrauchsanzeige – alles da!
Man kann ja vieles erzählen, vor allem wenn der Tag lang ist. So meinte Thomas Kuttruf, seines Zeichens Pressesprecher bei KTM, dass die 125 Duke Priorität Nummer eins in Mattighofen hatte. Nichts anderes wäre der Firmenleitung so wichtig gewesen wie dieses kleine Motorrad, welches für verdammt wenig Geld und wahrscheinlich entsprechend geringer Marge auf einen Markt geworfen wird, der wie ein Haifischbecken ist. Die Kunden, gerade die Jugendlichen, haben keine Knete und werden von fernöstlichen Produkten in den Bann gezogen. Diese strotzen zwar vor billiger Anmutung, locken aber dafür mit günstigen Schnäppchenpreisen. Da kann man doch nur lachen – oder?
Wer die vergangenen Zeilen Revue passieren lässt, der liest wohl recht deutlich heraus, dass die KTM 125 Duke ein echtes Motorrad ist. Dass sie an keiner noch so winzigen Stelle auch nur den Ansatz von Billigmeierei zu erkennen gibt, sondern das genaue Gegenteil der Fall ist. Also, entweder ist man bei KTM vollends übergeschnappt, oder man hat sich wirklich mit allem was man hat darauf konzentriert, dieses Motorrad mit einem Hammerpreis auf den Markt zu bringen.
Zu allererst hat man in Mattighofen wohl lange Zeit die Ohren weit aufgestellt und sich mit denen auseinandergesetzt, die die Zukunft für den Markt und somit das eigene Überleben darstellen. Um dem Nachwuchs ein Motorrad zu bauen, welches er gut findet und das gleichzeitig noch im Rahmen des bezahlbaren bleibt, musste umgedacht werden.
KTM hat dies getan. Die Österreicher haben es geschafft, den Qualitätsanspruch des Europäers in den asiatischen Raum zu übermitteln. Aber nicht nur partiell, wie es andere Hersteller tun, sondern umfassend auf ein ganzes Motorrad. Die 125 Duke und das meiste was an ihr verbaut ist, kommt nämlich aus Indien zu uns.
Bajaj- Auto heißt der indische Riese, der mit über drei Millionen Motorrädern pro Jahr einen straffen Produktionsdurchsatz vorweisen kann. Bajaj hält etwa ein Drittel der KTM Anteile und wurde von Grund auf in das Konzept mit eingebunden. Die komplette Fertigung erfolgt dort und auch die Zulieferteile, bis auf wenige Ausnahmen, stammen aus Indien. In enger Kooperation hat man es geschafft, dass die Zulieferer ihre Qualitätsstandards auf europäisches Niveau anheben.
Das Ergebnis dieser harten Arbeit ist ein Motorrad, das verhältnismäßig kostengünstig produziert werden kann und es dennoch schafft, als vollwertige KTM auszutreten. Wenn man sich überlegt, dass dieser technische Prozess gerade mal zwei Jahre in Anspruch genommen hat, dann ist man sich sicher, dass ganz Mattighofen für dieses Motorrad Kopf gestanden ist.
Andere ehemals namhafte Marken importieren heute billigen China-Kram, ohne selbst auch nur einen Gedanken an Entwicklung und Qualitätsanspruch zu verschwenden. Diesen Schändern altehrwürdiger Herstellernamen sollte man das Handwerk legen! Durch Augenwischerei betrügen die nämlich bloß die arme Kundschaft, weil die jeden Cent drei mal rumdreht bevor er ausgegeben wird.
Allen Geiz-ist-Geil-Kunden senden wir ein Stoßgebet zu, dass sie zur Vernunft kommen und die Nachhaltigkeit ihres Kaufs überdenken. Ein objektiver Vergleich von China- und auch Japan-Semmeln gegen die neue kleine Duke sei jedem ans Herz gelegt. Besser als KTM es macht geht es nicht, jedenfalls nicht zu diesem Preis!
Dies ist keine typische Motorrad-Story und auch der Mann um den es hier geht ist keiner, den man unbedingt in einem Motorradmagazin erwartet. Allein der Gedanke daran, ein komplettes Portrait von FLATZ veröffentlichen zu können, wäre vermessen. Männern seines Schlags werden in der Regel ganze Bücher gewidmet, welche dann als Biografie in den Bibliotheken zu finden sind. In den kommenden Zeilen schaffen wir es lediglich, ein paar Eckpunkte aus dem Leben eines besonderen Menschen zu zeigen. Daher sollte sich der geneigte Leser jetzt, nachdem er hoffentlich das Layout schon genossen hat und auch mit dem Video durch ist, einfach zurücklehnen und noch ein wenig Zusatzinfos einatmen.
Wolfgang Flatz wurde 1952 im österreichischen Dornbirn als Sohn eines Eisenbahners geboren. Wenn FLATZ von seiner Kindheit und Jugend berichtet, dann fällt er stets auf Erlebnisse mit seinem Vater zurück. Er selbst beschreibt den Umgang als schroff und diktiert – kindliche Fehler wurden dem kleinen Wolfgang meist mit Schlägen heimgezahlt.
Schon mit zarten neun Jahren verbrachte er die Sommermonate einsam und alleine auf einer Almhütte, um auf das ihm anvertraute Vieh zu achten. Im Folgejahr geschah es dann, dass FLATZ sich ein unfassbar grausames Konzert mitanhören musste. Ein Konzert, das er in seinem ganzen Leben nicht vergessen würde. Nach einem Blitzeinschlag verendete seine komplette Rinderherde in der benachbarten Blockhütte und FLATZ musste das Gebrüll von 156 bei lebendigem Leibe verbrennenden Rindern ertragen. Das Schlimmste war allerdings das Winseln des Schäferhundes, der mit in den Flammen gefangen war.
Mit 15 Jahren begann Wolfgang dann eine Lehre zum Goldschmied, welche er mit Auszeichnung beendete. Kreativität und handwerkliches Geschick miteinander verbinden zu können, machte für ihn den besonderen Reiz aus. Sein gestalterisches Talent kam während dieser Zeit zum Vorschein.
1974 kam dann der nächste Tiefschlag für den jungen Dornbirner. Nach einem seiner ersten öffentlichen Auftritte wurde FLATZ inhaftiert und in die Psychiatrie eingewiesen. An sich keine große Sache, doch die Androhung, dass man ihn auf dem Kieker habe und er beim nächsten Mal nicht weniger als ein halbes Jahr Anstalt vor sich hätte, ließ FLATZ die Flucht ergreifen. Er wollte raus aus Österreich und nahm München ins Visier.
In München angekommen, studierte er an der Universität Kunstgeschichte und machte sich an der Akademie über die Malerei her. Während des Studiums musste FLATZ jedoch feststellen, dass die "klassische" Bildende Kunst nicht das beinhaltet, was er ausdrücken wollte. Er zog schon von Anfang an die Performance als Ausdrucksmittel vor. Sich selbst sehr provozierend als Kunstobjekt in die Gesellschaft zu projizieren, um diese unbemerkt mit in das Werk einzubinden.
So nannte FLATZ seine Performance im Rahmen der "Europa 79" in Stuttgart. Jeder Besucher bekam die Möglichkeit, auf den bis auf eine Sonnenbrille gänzlich unbekleideten Künstler einen Dartpfeil zu werfen. FLATZ durfte natürlich ausweichen und der erste Besucher der einen Treffer landete, wurde mit 500 DM in bar belohnt. Während das Publikum die ersten Versuche noch anfeuerte und in einem Guss der Sensationslust fronte, schlug die Stimmung plötzlich ins komplette Gegenteil um. Der Elfte der es versuchte, traf sein Ziel und FLATZ reichte ihm umgehend die 500 DM in die Hand. Dann wandelte sich die Stimmung schlagartig und das Publikum wandte sich als Mob gegen den Werfer. Dieser wollte danach seinen Lohn nur schnell wieder loswerden. FLATZ und sein Pfeil waren nur das Instrument, um der versammelten Gesellschaft zu präsentieren, wie manipulierbar und populistisch sie ist – die Gesellschaft.
FLATZ wird dem im Raum versammeltem Publikum in Fesseln und in einer Aufmachung à la Guantanamo Bay vorgeführt. Danach folgen erste Demütigungsriten. Er wird vor versammeltem Publikum kahl geschoren, seiner Kleidung entledigt und mit einem kräftigem Schubs von seiner Assistentin in die Runde geschickt. Ab nun läuft er die vier Seiten des Raumes ab. Am Ende jeder Strecke hängt eine Stahlplatte, an welche er seinen Schädel schlägt. Er beginnt an der ersten Platte mit einem lauten "Schuldig!", schlägt den Schädel an die Stahlplatte, dreht sich um 90 Grad und wandert zur nächsten Platte. Dort beteuert er laut: "Nicht schuldig!", haut erneut den Schädel gegen die Platte und macht sich auf zur nächsten Wand. Nach einer Stunde blutet FLATZ furchterregend und auch die Platten tragen deutliche Merkmale seiner Pein. Einige Zuschauer versuchen FLATZ nun aufzuhalten, versperren ihm den Weg und reden auf ihn ein. Als dann klar wird, dass die Show endet, sobald der letzte Voyeur seinen Durst gestillt hat, verlassen jene, die nicht schuldig sein möchten, den Raum. Dann endlich, nach über zwei Stunden und fast 500 Schädelschlägen, gibt der letzte Hartnäckige, nach einer kurzen Unterhaltung mit FLATZ, auch auf.
Kernaussage und die gesellschaftliche Frage, welche sich hinter dieser Performance versteckten, beruhen auf der kulturellen Prägung unserer Gesellschaft in Bezug auf Schuld und Sühne. Besonders in der Wechselwirkung von Anklage und Verurteilung. Wer ist am Ende der schlechte Mensch, wenn der Verurteilte sühnt, ohne Schuld zu tragen. Eine äußerst umstrittene Arbeit, wegen der er im Bundesland Tirol Auftrittsverbot erteilt bekam und somit neben Marilyn Manson der zweite Künstler ist, dem dies widerfährt.
Nach den ersten Zeilen sollte man nun einen Eindruck haben, wie FLATZ so drauf ist. MotoMonster hatte sich in zwei Etappen an FLATZ herangewagt. Den ersten Besuch statteten wir ihm in seinem Museum in Dornbirn ab. Die Stadt selbst war so frei und spendete ihrem verlorenen Sohn ein eigenes Museum. Dies zu Lebzeiten zu erfahren, ist eine große Ehre für einen Künstler. Vor allem klingt es aber befremdlich, wenn dies in dem Umfeld geschieht, in dem einem noch vor einigen Jahrzehnten mit der Klapse gedroht wurde. FLATZ sieht das gelassen: "Ich sehe das nicht als Wiedergutmachung, sondern als Beweis der Entwicklungsfähigkeit eines Landes in seiner Haltung zur zeitgenössischen Kunst und als ein Bekenntnis zu einem Sohn dieser Stadt."
Im Museum angekommen stürzten wir uns sofort auf einen der drei Räume – den Raum mit den "Physical Sculptures".
Bei FLATZ taucht immer wieder das Thema Mobilität auf. Er ist ein leidenschaftlicher Motorradfahrer und hat einige seiner Kunstwerke aus der Reihe Lost Generation im harten Alltag zum Einsatz gebracht. Sei es ein fettes Muscle -Car, ein Willys Jeep, oder die stolze Armada an Motorrädern. Jedes dieser Produkte war zum Zeitpunkt seiner Erschaffung ein Statussymbol der mobilen Welt, mit dem sich deren Besitzer nur zu gerne profilierten. Doch FLATZ polierte diesen Fabrikationswundern förmlich die Fresse.
Warum tat er das? Immerhin achtet man doch nicht ohne Grund auf die schönen Dinge, welche man sich vom Lohn seiner harten Arbeit geleistet hat. Nun ja, auf den ersten Blick mag die Bearbeitung eines Gefährts nach schnöder Zerstörung aussehen, doch die Ergebnisse sind weitaus komplexer zusammengesteckt, als dies den Anschein hat. Lost Generation zeigt eine brutale und dennoch wunderschöne Optik, bei der man gerne den Blick ins Detail wagen darf. Es findet sich kaum ein Teil, welches der Künstler nicht in den Pfoten hatte, um es in einen, nennen wir es Alternativzustand, zu versetzen. FLATZ bricht also mit voller Absicht und Kalkül den Wert des Produktes, um ihm einen neuen, künstlerischen zu verleihen. Und mal ehrlich, was ist cooler? Eine gepflegte Original-Gummikuh aus den 80ern, oder das Brutalo Bike "IRON BULL", welches FLATZ nicht nur im Alltag, sondern auch im Thriller "Der kalte Finger" als Einsatzfahrzeug des Bösewichts einsetzte?
Bei unserem zweiten Besuch reisten wir nach München. Dort wohnt FLATZ seit 1975. MotoMonster war eingeladen, um des Künstlers kreativen Schaffensraum zu begutachten – das Atelier! Ein unscheinbarer Verschlag auf der Prater Insel ist unser Ziel. Dort angekommen tauchen wir in eine Welt ein, die von außen kein Mensch vermutet hätte. Ein großer Raum mit kalkweiß gestrichenen Wänden, auf dem Fußboden der nackte Estrich und unzählige Dinge, die von der Decke und den Wänden hängen. Ein Schlaraffenland für Sammler, Waffennarren und für jeden, der früher gerne in verbotenen Schubladen der Eltern gewühlt hat. Auf mehreren Tischen verteilt liegen Erinnerungsstücke, Utensilien vergangener Aufführungen und Bruchstücke kommender Werke.
Von hier aus waltet der Künstler und bearbeitet seine Werke unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Bei ein paar Tassen Tee, welche uns die notwendige Ruhe verleihen, klärt FLATZ uns über die Vielseitigkeit seiner Arbeit auf. Neben den Performances und der Arbeit an seinen Skulpturen, verfällt er nämlich auch immer wieder in Malerei, Musik, Schauspiel und Fotografie um seiner Weltanschauung Ausdruck zu verleihen. Mit am beeindruckendsten fanden wir jedoch die Erzählungen zu seinem Werk "Hitler ein Hundeleben".
FLATZ nahm die ersten sechs Lebensjahre seines treuen Gefährten, einer Deutschen Dogge mit dem Namen Hitler, zum Anlass, ein Kunstwerk daraus zu machen. Blanke Provokation, durch welche er von der einen Seite zum Nazi abgestempelt wurde, während er von denen, die er damit viel mehr provozieren wollte, konkrete Morddrohungen erhielt. Die hirnlosen Holocaust-Verneiner / Befürworter sahen diese Vorgehensweise als Blasphemie an. FLATZ verhöhnte die öffentliche Angst davor, dass dieser Name laut ausgesprochen wird und referierte mit einem hämischem Grinsen über einige ganz spezielle Erlebnisse. Dieser Spott in Richtung seines wahnsinnigen Landsmanns ist aber nicht neu und wird andernorts genau richtig verstanden, ohne dass kleinen Kindern im Park die Ohren zugehalten werden, wenn das Herrchen nach dem Köter ruft. Der britische Feldmarschall Bernard Montgomery taufte seine Hunde zu Zeiten des zweiten Weltkrieges schon Hitler und Rommel.
Was heute von Hitler, dem Kunstwerk, übrig geblieben ist? Viele schöne Bilder mit lustigen Titeln, die FLATZ im gesamten Atelier verteilt hängen hat und ein Gefäß voller Formaldehyd, in welchem Hitlers Eier aufbewahrt sind.
Jeder muss für sich selbst entscheiden, welche Kunstwerke ihm gefallen. MotoMonster war auf alle Fälle beeindruckt, mit wie viel Ehrgeiz FLATZ sich darum bemüht, die Menschen vor den Kopf zu stoßen. Wir sind der Meinung, dass er die Leute eigentlich nur wachrütteln möchte, um einen neuen Blick auf die Realität zu wagen. Doch für einen nicht ganz kleinen Teil der Erdbevölkerung rüttelt der nunmehr 59-jährige Mann noch bis zum heutigen Tage ein wenig zu heftig.
Um das Thema rund um das Design Your Nolan Projekt ein wenig klarer zu sehen, führte MotoMonster ein ausführliches Gespräch mit Claudia Hoppe. Sie begleitet das Projekt seit seinem Ursprung und konnte uns viele interessante Details verraten.
MotoMonster: Claudia, was ist Deine Aufgabe bei Nolan?
Claudia Hoppe: Ich bin im Hause Nolan / X-lite für die Kommunikation und Außendarstellung zuständig.
MM: Stichwort Design Your Nolan - Was ist das für ein Projekt und wie kam es dazu?
CH: Also, begonnen hat die ganze Sache vor einigen Jahren, um genau zu sein zur INTERMOT 2008. Da haben wir uns überlegt, was wir tun können um engeren Kontakt zu den Konsumenten aufzubauen, weil wir ausschließlich im Kontakt zu Großhandel und Fillialisten stehen. Dennoch wollten wir eine neue Möglichkeit finden auch die Stimmen der Endverbraucher zu hören. Da schien uns ein Designwettbewerb als eine passable Möglichkeit.
MM: Und wie habt ihr das dann begonnen?
CH: Wir haben damals zur INTERMOT damit angefangen, mehrere Anzeigen dazu veröffentlicht, eine Kampagnen-Website online gestellt und was man halt eben so macht.
MM: Welchen Gewinn hattet ihr damals für die Helmdesign-Wettbewerber ausgeschrieben?
CH: Eigentlich wollten wir eine Top-Ten ermitteln und diese Zehn, nach dem ursprünglichen Plan, mit vielen tollen Preisen eindecken. Die Top Drei bekam ihr eigenes Design auf einen Nolan-Helm umgesetzt und neben den Grafik-Tabletts von Wacom für Platz Zwei und Drei gab es einen Roller für den Erstplatzierten.
MM: Während die anderen ein Wakeboard bekamen, habt ihr den ersten mit einem Deoroller abgespeist?
CH: Nein, einen richtigen Motorroller natürlich – und zwar von Ducati. Ich war aber noch nicht fertig. Gerade arbeiten wir daran, das Gewinner-Design für die tatsächliche Produktion in Serie umzusetzen. Und wenn alles gut läuft, wird der Gewinnerhelm zur kommenden Saison im Handel erhältlich sein.
MM: Das klingt ja alles nach einer Runden Sache. Wie viel Rückmeldung gab es denn auf diese Design Your Nolan Aktion?
CH: Die Aktion sollte eigentlich ein ganzes Jahr laufen, bis 2009. Dann hatten wir aber das Problem, das wir ein offenes Online-Voting gemacht haben. Und wir dann auch unter einigen Manipulationsversuchen des Votings zu leiden hatten. Dadurch haben sich richtig viele Leute richtig doll beschwert und meinten "Boah, unsere Helmdesigns sind viel schöner als die anderen und das geht doch nicht mit rechten Dingen zu!" Und diese Beschwerden waren auch nachvollziehbar. Also, wir haben wirklich abgefahrene Sachen eingereicht bekommen und die haben sich echt Mühe gegeben. Doch wir sahen dann auch deutlich, dass es im Voting nicht mit rechten Dingen zugehen konnte und dachten uns: "Ok, wir müssen da was machen! Es ist nicht in unserem Interesse, dass da irgendein Design gewinnt, das auf dem freien Markt keine Chance hätte und mit Sicherheit weniger kreativ ist, als andere eingereichte Arbeiten. Und im Interesse der Leute kann es ja auch nicht sein." Um das Voting nicht komplett außen vor zu lassen haben wir der Top Ten von der Webseite noch eine selbst ausgesuchte Top Ten hinzugefügt und diese 20 Designs dann einer Experten Kommission vorgestellt. Diese Expertenrunde hat dann einen "Final-Score" festgelegt, woraus sich die letztendliche Top-20 errechnet hat.
MM: Wie viele Zusendungen hattet ihr?
CH: Es sind knapp 400, etwas mehr als 400 Einsendungen bei uns eingegangen.
MM: Wow!
CH: Schon ne ganze Menge. Wir haben aber auch keine Vorgaben gemacht. Ob nun gebastelt, gemalt oder baut was am Rechner – seid kreativ! Es flossen alle Designs ins Voting ein.
MM: So, nun waren wir im Jahr 2009 und alle Designs waren eingereicht. Wieso hat das bis zur INTERMOT 2010 gedauert, bis die Preisverleihung statt fand?
CH: Nun ja, ein Dreiviertel Jahr haben wir Designs angenommen, dann gab es das Voting, danach die Probleme mit dem Voting. Wir mussten die Jury festlegen und bis die dann an einem Tisch saß, verging doch einige Zeit. Da stand die nächste INTERMOT ja schon fast vor der Tür und bot sich als Plattform und Thema für unseren Messestand einfach mal an.
MM: Und wie kam es dann zum Ausbau der ganzen Geschichte mit Steven, Julia (die Düsenkünstler) und dem Airbrush auf der INTERMOT?
CH: Oh, das kam durch die vielen Nachfragen die wir bekamen. Viele Leute dachten, man könne sich jetzt bei uns spezielle Helmdesigns wünschen und dann sein eigenes als Abziehbild, oder wie in Modellbaukästen mit diesen Wasser-Klebe-Bildchen einfach bestellen. Das geht natürlich nicht! Also kam die Idee auf, dass man den Leuten doch eine Hilfe an die Hand geben kann, wie sie selbst ihren Helm individualisieren können. Das war dann der Anlass zu sagen: "Ok, wir gehen jetzt mit Design your Nolan in die Verlängerung und erklären den Leuten mit ein paar Tutorials was möglich ist und was nicht."
MM: Und was habt ihr da gemacht?
CH: Wir haben das Ende der Design your Nolan Gewinnspiel Ära genutzt und haben dann auf der INTERMOT 2010 unsere Workshop-Idee gelauncht. Dort erklärt unser Airbrush-Profi (Steven) wie man sich und seinen Helm auf die Arbeit vorbereitet, welche Materialien man braucht und mit welchen Techniken man auch als Laie ein ordentliches Ergebnis erzielen kann.
MM: Einer der wichtigsten Tipps ist hierbei wohl die Wahl der Farbe.
CH: Ja, das hängt stark vom Material des Helmes ab. Im Falle unserer Nolan Helme haben wir ein Polycarbonat, genauer gesagt Lexan, vor uns, bei dem man nur mit Farben auf Wasserbasis arbeiten darf und da muss man sich auf jeden Fall im Voraus beraten lassen, bevor man seinen Helm gestalten will.
MM: Aber ihr gebt ja einen zuverlässigen Tipp dazu.
CH:Ja zu den Farben haben wir uns mit verschiedenen Herstellern in Verbindung gesetzt und da eine ganze Palette von Möglichkeiten gefunden. Eine spezielle Farbe empfehlen wir dann auch in einem Tutorial, weil unser Steven da die beste Qualität feststellen konnte.
MM: So, die Grundlagen habt ihr abgedeckt. Aber wie schaut es mit dem Airbrushen aus? Da ist es doch verdammt schwer was hübsches hin zu bekommen.
CH: Ja schon, aber muss nicht. Wir haben ein paar spannende Sachen rausgesucht – wie man mit ganz normalen Haushaltsmitteln tolle Muster hinbekommt. Ein Tutorial, dass muss ich noch schneiden und online stellen, da zeigt Steven ganz einfach wie man mit einem trockenen Pinsel eine Holzstruktur auf den Helm bringt und wie gesagt, das ist ganz einfach und sieht echt cool aus. Dann haben wir noch mit verschiedenen Schablonen gearbeitet. Selbst vor Dessous scheuen wir nicht zurück – das Video gibt es auch schon im Netz.
MM: Wenn der Siegerhelm in der kommenden Saison in Serie erscheint, dann ist das Projekt Design your Nolan ja abgeschlossen, oder?
CH: Nee, nee, auf keinen Fall. Abgeschlossen ist es nicht, weil wir in dieser Kreativ-Schiene schon bleiben wollen. Wir hatten den Wettbewerb, daraus ging es nahtlos in die Tutorial Ecke, wo wir ja auch noch einiges auf Lager haben, und wie es genau weiter gehen wird, darauf darf man gespannt sein. Das Feld ist noch so groß.
MM: Darf man wissen was als Nächstes geplant ist?
CH: Nein, noch nicht. Da haben wir uns noch nicht 100-prozentig festgelegt. Wer weiß denn schon, was bis dahin noch alles an Ideen und Fragen von den Endverbrauchern hier reinschneit. Vielleicht schickt uns ja jemand das Resultat seiner eigenen Designarbeit und wir machen da einfach weiter, wer weiß? Aber du wirst es aber schon noch früh genug erfahren.
MM: Gut, dann sind wir doch einfach mal gespannt und warten ab. Dir danke ich für das nette Interview und wenn aus Deiner Sicht alles gesagt ist, dann sind wir durch.
CH: Eigentlich schon. Aber für alle die uns Ideen senden wollen, solltest Du vielleicht noch unsere entsprechende Email Adresse erwähnen. Unter idee@design-your-nolan.de kann man uns gezielt auf Dinge ansprechen und seine Vorstellungen kund tun.
Fürstlich Drehna – 13.000 Zuschauer boten eine grandiose Kulisse für das Auftaktrennen des ADAC MX Masters 2011 in Fürstlich Drehna. Bei idealem Motocrosswetter war die Strecke "Rund um den Mühlberg" Schauplatz für das erste ADAC MX Masters-Rennen der Saison. Den Sieg in der Königsklasse sicherte sich erwartungsgemäß der Thüringer Ken Roczen (Red Bull Teka KTM Factory Racing) vor einem weiteren Thüringer, Daniel Siegl (Kalli-Racing) aus Flurstedt, und dem Belgier Kevin Wouts (Kawasaki Elf Team Pfeil). Im ADAC MX Youngster Cup stand der Qualisieger vom Vortag, Stefan Kjer Olsen aus Dänemark, ganz oben auf dem Siegerpodest und verwies damit den Greifswälder Ron Noffz (Kalli-Racing) und dem Niederländer Donny Bastemeijer auf die Plätze zwei und drei. Im ADAC MX Junior Cup heißt der erste Tagessieger der Saison Pauls Jonass (Lettland). Zweiter wurde der Niederländer Bas Vaessen, Dritter der Este Karel Kutsar.
Der erste Wertungslauf der Königsklasse bot Motocross-Sport vom Feinsten. Entgegen der Erwartungen führte nicht Ken Roczen das Feld vom Start weg an, sondern Publikumsliebling Florent Richier (Kawasaki Elf Team Pfeil). Der Franzose fuhr die ersten paar Runden vorneweg, dicht gefolgt von Daniel Siegl (Kalli Racing) und dem Dänen Kaspar Lyngaard (Sturm Racing). Marcus Schiffer (Suzuki International Europe Motocross) war am Start in einen Crash verwickelt und musste sich durch das ganze Feld nach vorne kämpfen. Nach einer fantastischen Aufholjagd wurde er noch Fünfter. Ein überragendes Rennen zeigte Daniel Siegl. Der 27-Jährige ließ sich seine Position im Spitzenfeld nicht streitig machen und überquerte als Zweiter die Ziellinie.
Im zweiten Durchgang führte Siegl das Feld dann vom Start weg sogar an, beendete das Rennen am Ende aber nur als Vierter. Für seine Platzierung als Tageszweiter aber reichten diese Punkte. Roczen, der erneut einen schlechten Start erwischte, holte sich auch im zweiten Wertungslauf souverän den Sieg vor dem Frechener Marcus Schiffer. Der zeigte ein fantastisches Rennen und beendete den Lauf verdient als Zweiter. Mit seiner Leistung überzeugt hat der Kawasaki Elf Team Pfeil-Pilot Kevin Wouts. Den Belgier hatten die wenigsten auf der Rechnung für eine Top-3-Platzierung. Zu Unrecht. Mit zwei soliden Läufen landete er auf Gesamtrang drei.
Stefan Kjer Olsen, der Qualifikationssieger vom Vortag, bestätigte im ersten Durchgang des ADAC MX Youngster Cup seine tolle Leistung vom Vortag und fuhr im ersten Durchgang einen ungefährdeten Sieg nach Hause. In der zweiten Runde ließ er sich das Heft ebenfalls nicht aus der Hand nehmen und fuhr erneut einen ungefährdeten Start-Ziel-Sieg und damit auch den Tagessieg nach Hause. Auf den weiteren Rängen platzierten sich im ersten Lauf der Franzose Boris Maillard (Pfeil Kawasaki Youngster Team) und der Greifswalder Ron Noffz (Kalli Racing). Im zweiten Wertungslauf wurde der Niederländer Donny Bastemeijer Zweiter, bestätigte damit seine Leistung aus dem Zeittraining und holte sich ebenfalls den zweiten Podestplatz
Der Tagessieger im ADAC MX Junior Cup heißt Pauls Jonass. Der 14-Jährige aus Lettland überquerte im ersten Lauf als Zweiter die Ziellinie und beendete im zweiten Durchgang als Sieger das Rennen. Auf den weiteren Plätzen landeten der Niederländer Bas Vaessen und der Este Karel Kutsar. Der Zweit- und Drittplatzierte aus der Qualifikation, Freek van der Vlist und der Wildcard-Starter Tom Gehrz aus Teltow wurden Vierter beziehungsweise 36.
Ken Roczen – "Auch wenn viele das erwartet hätten, war das für mich kein leichtes Rennen. Das ist es nie. Ich hatte schlechte Starts und die Strecke war extrem rutschig und relativ hart. Ich habe 100 Prozent gegeben. Das Rennen heute war eine gute Vorbereitung für den zweiten WM-Lauf in Valkenswaard nächste Woche. Ich hatte sehr viel Spaß dieses Wochenende, auch wenn die Strecke schwerer war als im Vorjahr."
Daniel Siegl – "Ich habe mich gut gefühlt heute, aber dass es so gut läuft, habe ich nicht gedacht. Ich habe zwar schon nach dem Podium geschielt, aber nicht mehr als eine Top-5-Platzierung erwartet. Die vergangenen zwei Jahre waren für mich sehr durchwachsen, da freut einen so ein Erfolg umso mehr. Ich werde die gesamte Meisterschaft fahren und habe nun natürlich den Titel im Visier. Ich habe sehr viel trainiert im Winter und bin bestens für die kommende Saison vorbereitet."
Kevin Wouts – "Ich habe in den vergangenen Wochen viel im Sand trainiert und habe natürlich gehofft, dass ich hier ganz vorne mit dabei sein kann. Ich habe hart trainiert und das muss sich jetzt auszahlen. Das Zeittraining lief schlecht für mich, aber das Rennen zählt und da konnte ich mein Können beweisen. Wir haben auch noch ein paar Modifikationen an meinem Bike vorgenommen und das hat sich ausgezahlt. Ich bin sehr glücklich mit dieser Platzierung. Ich werde in dieser Saison alle Rennen des ADAC MX Masters bestreiten und hoffe, dass ich die Saison in den Top-5 beenden kann. Ich will mich mit meiner Prognose noch nicht zu weit aus dem Fenster lehnen."
Stefan Kjer Olsen – "Ich habe auf so ein Ergebnis gehofft. Es waren so viele gute Starter dabei heute, aber ich habe mich gut gefühlt und konnte das auch auf die Strecke bringen. Ich mag Strecken wie diese. Ich freue mich auf die Saison. In Prisannewitz will ich meine gute Leistung wiederholen und bestätigen."
Pauls Jonass – "Ein tolles Rennen. Ich mag die Strecke und ich konnte heute richtig schnell fahren. Ich werde die ganze Saison den ADAC MX Junior Cup fahren und ich habe mir vorgenommen, der erste Lette zu sein, der die Meisterschaft gewinnt."
Prisannewitz – Bei optimalem Motocross-Wetter mit Sonnenschein und angenehmen Temperaturen startete das ADAC MX Masters vor 6.000 Zuschauern in seine zweite Runde. Auf dem Gelände des MC Prisannewitz wurden die Sieger in allen drei Klassen gekürt. In der ADAC MX Masters-Klasse triumphierte der Frechener Marcus Schiffer (Suzuki International Europe Motocross) vor dem Franzosen Cedric Soubeyras (KTM Sarholz Racing) und dem Tschechen Filip Neugebauer (Kawasaki Elf Team Pfeil). Im ADAC MX Youngster Cup heißt der Tagessieger erneut Stefan Kjer Olsen (Team AC-MOTEC MG Sport by STC) und im ADAC MX Junior Cup geht der Sieg an den Letten Pauls Jonass.
Die Piloten der ADAC MX Masters-Klasse lieferten den Zuschauern einen spannenden Motocross-Krimi. Im ersten Durchgang setzte sich die Quadriga Marcus Schiffer, Daniel Siegl (Kalli-Racing), Cedric Soubeyras und Filip Neugebauer schnell vom Verfolgerfeld ab. Die vier Piloten schenkten sich nichts. Und obwohl es anfangs so aussah, als würde Daniel Siegl einen sicheren Sieg nach Hause fahren, musste er nach einem Patzer hinter Marcus Schiffer aber noch vor Soubeyras über die Ziellinie fahren. In der zweiten und alles entscheidenden Runde hatte der Thüringer Siegl dann keine Chance. Er wurde beim Start in einen Sturz verwickelt und konnte den zweiten Wertungslauf nicht fahren. Seine stärksten Konkurrenten Schiffer, Soubeyras und Neugebauer hatten ebenfalls das Nachsehen. Sie mussten sich erst durch das Feld nach vorne kämpfen. Nach der Hälfte der Renndistanz aber lag Schiffer erneut in Führung und sah nach einem weiteren dramatischen Rennen auch als Erster die Zielflagge vor Soubeyras und Neugebauer.
Die Meisterschaft in der ADAC MX Masters-Klasse wird nun angeführt von Marcus Schiffer vor Cedric Soubeyras und dem Belgier Kevin Wouts (Kawasaki Elf Team Pfeil).
Der ADAC MX Youngster Cup hat einen neuen Star: Stefan Kjer Olsen. Der 18-jährige Däne dominierte nicht nur das Zeittraining, sondern auch beide Wertungsläufe am Rennsonntag. Schon im ersten Durchgang düpierte er die Konkurrenz und beendete das Rennen als Erster mit einem komfortablen Vorsprung von fast 14 Sekunden. In der zweiten Runde toppte er diesen Abstand sogar noch und ließ die Konkurrenz knapp 20 Sekunden hinter sich. Er setzte sich im zweiten Durchgang schon zu Beginn an die Spitze und fuhr einen ungefährdeten Start-Ziel-Sieg ein. Mit einem dritten Rang und einem zweiten Rang wurde der 18-jährige Franzose Boris Maillard (Pfeil Kawasaki Youngster Team) Gesamt-Zweiter und der ebenfalls 18-jährige Deutsche Lars Reuther (DMSB KTM Kosak MX Junior Team) mit den Plätzen zwei und drei Gesamt-Dritter.
Mit seinem Erfolg hat Olsen seine Meisterschaftsführung erfolgreich verteidigt. Er führt die Tabelle vor dem Deutschen Ron Noffz (Kalli-Racing) und dem Franzosen Boris Maillard an.
Der Tagessieger im ADAC MX Junior Cup heißt einmal mehr Pauls Jonass. Er wurde Erster vor dem Deutschen Mika Kordbalag (KTM Kosak Racing) und dem Niederländer Jordi van Nobelen. Der 14-jährige Lette Jonass ist in seiner Klasse offensichtlich unschlagbar. Nach seinem Erfolg im Zeittraining fuhr er in beiden Wertungsläufen einen ungefährdeten Sieg ein. Und das trotz eines Sturzes im zweiten Durchgang. Ein Patzer, der den 14-Jährigen aber nicht aus der Ruhe bringen konnte. Die Plätze zwei und drei gehen an den Deutschen Mika Kordbalag (KTM Kosak Racing) beziehungsweise den Niederländer Jordi van Nobelen. Kordbalag wurde im ersten Durchgang Vierter, im zweiten Lauf Zweiter und van Nobelen platzierte sich auf den Rängen drei und vier und wurde damit Gesamt-Dritter. Die Meisterschaft wird weiterhin angeführt von Pauls Jonass vor dem Niederländer Jordi van Nobelen und dem Esten Karel Kutsar.
Marcus Schiffer – "Die Strecke war extrem schwer zu fahren, trotzdem hat es für mich gereicht. Mein Team hat eine super Arbeit gemacht, aber ich bin heute nicht gut gefahren. Ich bin nicht zufrieden, da ich nicht so Druck machen konnte wie ich wollte. Die Ergebnisse sind zwar super, aber sie spiegeln nicht meine fahrerische Leistung wider. Meine Konkurrenz will ich heute noch nicht beurteilen. Nach zwei Veranstaltungen ist es viel zu früh, da ein Urteil zu fällen."
Cedric Soubeyras – "Ich bin zwei gute Rennen gefahren. Und trotz meines Sturzes im zweiten Rennen, war ich erfolgreich. Ich wollte einfach nur noch nach vorne fahren. Mein Ziel, in jedem Rennen unter die Top-5 zu fahren, habe ich erreicht. Ich bin also total zufrieden. Außerdem ist in der Meisterschaft nach wie vor noch alles möglich."
Filip Neugebauer – "Die Strecke war nicht mein Fall. Daher bin ich auch kein gutes Rennen gefahren. Ich wollte zwar unbedingt aufs Podium, es war aber nicht leicht. Im ersten Lauf kam ich noch ganz gut zurecht, im zweiten war ich dann anfangs viel zu langsam. Dass es am Ende doch noch gereicht hat, freut mich. Ich habe mir fest vorgenommen, bei jedem Rennen aufs Podium zu fahren. Ich freue mich jetzt auch auf die nächste Veranstaltung in Freising. Diese Strecke liegt mir richtig gut."
Stefan Kjer Olsen – "Ich hatte ein richtig gutes Wochenende. Erst der Erfolg in der Quali, jetzt der Doppel-Erfolg im Rennen. Ich bin total zufrieden. Dass ich die Meisterschaft nun aber schon in der Tasche habe, will ich nicht sagen. Im Motocross kann so viel passieren. Momentan läuft es gut für mich und das motiviert natürlich ungemein. Selbstverständlich werde ich auch alles daran setzen, mir den Meistertitel zu holen."
Pauls Jonass – "Ich bin total glücklich, mein Sieg freut mich sehr. Besonders aber freut mich, dass mir im ersten Lauf ein Holeshot gelungen ist und ich trotz meines Sturzes im zweiten Durchgang noch aufs Podium fahren konnte. Ich freue mich riesig auf die nächsten Rennen und habe nun erst recht ein gutes Gefühl für die Meisterschaft. Ich werde mir dieses Jahr den Titel im ADAC MX Junior Cup holen."
Die neue Saison hat zwar schon lange begonnen, doch bevor wir in das IDM-Treiben 2011 eintauchen, wollen wir einen kurzen Rückblick bieten. So zusammengefasst kann man mehr mit dem Status quo anfangen und ist auf schnellstem Wege darüber informiert, wie sich neue und alte Namen in den IDM-Klassen nun schlagen.
In der IDM Superbike war eigentlich vor Beginn der Saison alles geregelt. Die gewöhnlich gut informierten Kreise hatten Karl Muggeridge mit seiner Honda als "den Meisterschaftsfavoriten" auserkoren. Nicht, das man einem Martin Bauer, Werner Daemen oder Jörg Teuchert nichts zutraute, aber ein ehemaliger Superbike-WM Fahrer sollte sich in der IDM durchsetzen können. Auch BMW hatte noch mal nachgelegt und den schnellen aber unbeständigen Spanier Julian Mazuecos gegen den WM-erprobten Barry Veneman ausgetauscht. Auf der Rechnung haben musste man auch einen Stefan Nebel, Dario Giuseppetti, Matej Smrz und Gareth Jones die jederzeit für einen Podestplatz, oder auch mehr, gut waren.
Mit Doppelsiegen am Lausitzring und am Nürburgring setzte Muggeridge ein starkes Ausrufezeichen und übernahm souverän die Tabellenführung in der IDM Superbike. Den nächsten Lauf am Sachsenring konnte Muggeridge auch noch gewinnen aber danach erfuhr die Saisonplanung eine empfindliche Störung. Während des zweiten Laufes legte er sich mit Barry Veneman an und tauschte mit ihm eifrig freundschaftliche Gesten aus. Sowas wirkt sich in der Regel negativ auf die Konzentration aus und Muggeridge beendete das Rennen im Kiesbett. Ebenso erging es ihm beim zweiten Lauf am Salzburgring. Die meisten seiner Konkurrenten konnten aus dieser leichten Schwächephase keine Vorteile ziehen, da sie auch immer wieder eine Nullnummer einstreuten. Werner Daemen konnte mit einem Doppelsieg am Salzburgring den Rückstand auf Karl Muggeridge verkürzen. Martin Bauer sammelte ebenfalls stetig Punkte und befand sich auch noch in Schlagdistanz zu Muggeridge. Mit 6 Punkten Rückstand trat Daemen die Reise nach Thüringen zum Schleizer Dreiecksrennen an. Schleiz wiederum stand voll im Zeichen von Dario Giuseppetti und dessen Ducati. Pole Position und Sieg in beiden Läufen – mehr kann man wirklich nicht verlangen. Ein Ausfall im ersten Rennen warf Daemen im Kampf um die Meisterschaft empfindlich zurück. Der folgende Auftritt der IDM in Assen wurde zum Heimspiel für den Niederländer Barry Veneman – volle Punktzahl in beiden Rennen. Im ersten Lauf musste er sich nur Max Neukirchner aus der Superbike-WM geschlagen geben, der aber als Gaststarter keine Punkte bekam.
Zum Saisonfinale am Hockenheimring reiste Tabellenführer Karl Muggeridge mit beruhigenden 31 Punkten Vorsprung vor Werner Daemen und Martin Bauer. Das erste Rennen sah einen entschlossenen Martin Bauer, der das Rennen souverän zusammen mit seinem Teamkollegen Stefan Nebel anführte. Karl Muggeridge dümpelte mit Reifenproblemen auf dem achten Platz rum. In der letzten Runde war in der KTM-Box das Entsetzen groß, als nur noch eine KTM, und zwar die von Stefan Nebel, in das Motodrom einbog. Was war geschehen? Ein Defekt in der Elektronik von Bauers RC 8 zwang den Österreicher auf den letzten Metern zur Aufgabe. Stefan Nebel erbte somit den Sieg vor Werner Daemen und Jörg Teuchert.
Den zweiten Lauf gewann Martin Bauer mit einer ordentlichen Portion Wut im Bauch. Muggeridge ließ sich auf nichts mehr ein und brachte mit einem achten Rang die Meisterschaft nach Hause. Man kann trefflich darüber spekulieren, dass es ohne den Ausfall Bauers für Karl Muggeridge im zweiten Lauf wesentlich ungemütlicher gewesen wäre. In der Abschlusstabelle belegten Werner Daemen und Martin Bauer die Plätze zwei und drei.
Ganz schön bunt und gewohnt unübersichtlich war das Bild in der IDM Supersport. In dieser Klasse konnte man Anfang 2010 mindestens fünf Namen nennen, die im Verdacht standen bei der Meisterschaftsentscheidung ein Wörtchen mitreden zu wollen. Das Auftaktrennen am Lausitzring konnte IDM-Rückkehrer Damian Cudlin vor Günther Knobloch und Jesco Günther für sich entscheiden. In Oschersleben siegte im ersten Lauf Kevin Wahr und im zweiten Rennen Michael Ranseder. Fortan entwickelte sich zwischen den Herren Knobloch, Ranseder und Cudlin ein spannender Kampf um die Tabellenführung. Vor allem Michael Ranseder konnte mit mehreren Siegen zur Saisonmitte seinen Ausfall im ersten Rennen kompensieren. Kevin Wahr musste mit zwei Ausfällen in den ersten vier Läufen den Kontakt zur Spitze abreissen lassen und verbrachte den Rest der Saison mit respektvollem Abstand zum Führungsduo. Günther Knobloch verabschiedete sich mit einem technischen Defekt am Salzburgring und einem Sturz in Schleiz aus dem Kreis der Titelkandidaten. Somit war alles vorbereitet für den Showdown in der IDM-SSP beim Saisonfinale am Hockenheimring. Tabellenführer Damian Cudlin reiste mit 16 Punkten Vorsprung vor Ranseder, bei noch zwei zu fahrenden Rennen, an. Viel Diskussionsstoff lieferte das erste Rennen der IDM-Supersport am Samstag Abend. 17 Runden war das Führungstrio aus Michi Ranseder, Damian Cudlin und Günther Knobloch eng beisammen. In der letzten Runde ging der Meisterschaftsführende Cudlin an Ranseder vorbei. Cudlin bog als Erster in die Sachskurve ein und fand sich nach einer Kollision mit Ranseder im Kiesbett wieder. Lachender Dritter war Günther Knobloch der auf den letzten Metern den Sieg vor Ranseder erbte. Nach dem Rennen sah man einen sichtlich angefressenen Damian Cudlin auf dem Weg zur Rennleitung. Auch Michi Ranseder wurde zwecks Klärung des Vorfalls zur Rennleitung zitiert. Abends wurde der Österreicher wegen «unsportlichen Verhaltens» vom Rennen ausgeschlossen. Am Sonntag liess sich Damian Cudlin auf nichts mehr ein und fuhr mit einem vierten Platz in aller Ruhe die Meisterschaft nach Hause.
In der IDM 125 wurde ein Nachfolger für Marcel Schrötter gesucht, der die Klasse in den letzten zwei Jahren dominierte und in die MotoGP abgewandert ist. Zu Beginn der Saison wurde zumeist Marvin Fritz als Meisterschaftsfavorit gehandelt, aber erstens kommt es anders und zweitens als man denkt. Vom ersten Lauf an drückte der 15-jährige Luca Grünwald mit vier Siegen in den ersten fünf Läufen der IDM 125 seinen Stempel auf. Folgen konnten ihm nur der Südafrikaner Mathew Ray Scholtz und Toni Finsterbusch. Beide schwächelten jedoch beim ersten von zwei Läufen auf dem Nürburgring, so das Luca Grünwald nach dem Gastspiel in der Eifel bereits mit 38 Punkten in der Meisterschaftswertung vorne lag. In den folgenden Rennen am Sachsenring und am Salzburgring belegte Grünwald beständig Podestplätze und baute den Vorsprung in der Tabelle weiter aus. Mathew Ray Scholtz konnte noch einen Sieg am Sachsenring verbuchen, verabschiedete sich aber aufgrund einer Sturzverletzung beim Red Bull Rookies Cup in Assen aus dem Meisterschaftsrennen. Zum Schleizer Dreiecksrennen reiste Luca Grünwald mit einem komfortablen Vorsprung vor Toni Finsterbusch. Für Toni Finsterbusch war die Aufgabe klar definiert – wenn er den Punkteabstand auf Grünwald nicht entscheidend verringert, ist die Meisterschaft schon nach sechs von acht Läufen entschieden. Mit einem Sieg am Samstag brachte Luca Grünwald den Plan von Toni Finsterbusch gehörig durcheinander. Beim zweiten Rennen am Sonntag hätte ihm somit ein vierter Platz gereicht, aber Grünwald beendete das Rennen als Zweiter hinter Finsterbusch und sicherte sich vorzeitig und souverän die Meisterschaft in der IDM 125.
Mit Philipp Öttl, Daemien Raemy, Luca Amato haben weitere Fahrer in der IDM 125 ihre Duftmarken hinterlassen. Sie werden höchstwahrscheinlich in diesem Jahr dafür sorgen, dass es den Herren Grünwald, Finsterbusch und Scholtz nicht zu langweilig wird. Für den anfangs erwähnten Marvin Fritz war 2010 unterm Strich eine enttäuschende Saison, auch wenn er beim Saisonfinale am Hockenheimring mit einem Sieg sein Potenzial unter Beweis stellen konnte.
In der IDM Sidecar wurde die Saison von drei Fahrern bestimmt – Kurt Hock, Pekka Päivärinta und Markus Schlosser. Das erste Rennen konnten Kurt Hock/Enrico Becker nach hartem Kampf hauchdünn vor Pekka Päivärinta/Adolf Hänni und Markus Schlosser/Kurt Hofer für sich entscheiden, aber bereits im zweiten Rennen in Oscherleben verletzte sich Enrico Becker schwer und wurde bis zum Schleizer Dreiecksrennen durch Michael Hildebrand ersetzt. Keine Punkte in Oschersleben und ein neuer Beifahrer waren alles andere als optimale Voraussetzungen für Hocks weiteren Saisonverlauf. Nach dem vierten Lauf am Sachsenring übernahmen dann Schlosser/Hofer die Tabellenführung und brachten mit vier Siegen in den letzten vier Läufen die Meisterschaft deutlich unter Dach und Fach. Sie profitierten dabei von der Doppelbelastung bei Päivärinta/Hänni, die ein Rennen wegen eines parallel stattfindenden WM-Rennens und einen Lauf wegen einer Verletzung von Hänni auslassen mussten.
Hinter den drei Spitzengespannen klaffte doch eine ziemliche Lücke, Podestplatzierungen gab es eigentlich nur, wenn eines der Top-Teams stürzte oder nicht am Start war.
Im ADAC Junior Cup siegte Lukas Wimmer trotz eines Ausfalls recht deutlich vor Manou Antweiler und Maximilian Eckner. Der Yamaha R6-Cup war traditionell der Schauplatz beinharter Kämpfe. Erst im letzten Lauf ist es den Piloten gelungen ein Rennen ohne vorzeitigen Abbruch über die volle Distanz zu absolvieren. Meister wurde erwartungsgemäß Markus Reiterberger vor Luca Hansen und Lucy Glöckner.
Der unverwüstliche Andy Meklau hat am Schleizer Dreieck sein letztes IDM Rennen bestritten. A propos Schleiz – Schleiz war mal wieder mit über 40.000 Zuschauern stimmungsmäßiger Höhepunkt der Saison. Philip Hafenegger und Christian Kellner haben ihre aktive Laufbahn nach dem Saisonfinale in Hockenheim beendet.
So ging es in die neue Saison – Karl Muggeridge hat für zwei weitere Jahre beim Honda Holzhauer Team unterschrieben. Unterstützt wird er von Teamkollege Kevin Wahr, der von der Supersport in die IDM Superbike wechselt. Der Australier Gareth Jones fährt in der neuen Saison für Wilbers eine BMW S 1000 RR. Alpha Technik wird sein Engagement in der Superbike-WM auf Kosten der IDM ausbauen. Opfer dieser Maßnahme ist Barry Veneman, der auf der Suche nach einem neuen Team fündig geworden ist und wieder auf einer BMW antreten wird. Yamaha hat sein Superbike-Team auf zwei Fahrer reduziert. Erwisch hat es Didier van Keymeulen, der in der ganzen Saison nie richtig in Fahrt kam. 2011 tritt er in der IDM-Supersport mit Suzuki an. Trotz eines vierten Platzes in der Meisterschaft und einem Sieg im letzten Lauf gab es keine Zukunft für Stefan Nebel im KTM-Werksteam. Man will sich im neuen Jahr ausschließlich auf Martin Bauer konzentrieren. Stefan Nebel startet dieses Jahr mit Matej Smrz im neuen Inghart-KTM Team. Allerdings sollen die Inghart-KTM auf dem gleichen technischen Stand wie die Werksmaschinen sein.
Beim Blick in die vorliegenden Starterlisten für 2011 muss man leider feststellen, dass in allen IDM-Klassen 25 – 30 Prozent weniger Starter gemeldet werden. Am gebotenen Sport kann es bestimmt nicht liegen, denn der war in 2010 vom Feinsten. Vielmehr scheinen einige Fahrer eine Menge Probleme zu haben, das nötige Budget für eine Saison in der IDM aufzutreiben.
Zum 34. Mal richtete der MSC Freier Grund den Siegerlandpreis auf dem Nürburgring aus.
Im Vorfeld hatte das in diesem Jahr ohnehin schon geschrumpfte Starterfeld in der IDM Superbike weitere Ausfälle zu verzeichnen. Der Schweizer Marc Wildisen ist noch nicht fit und Stefan Nebel musste nach einer Sitzprobe am Freitag passen. Das gebrochene Schlüsselbein und die resultierenden Schmerzen ließen einen Start einfach nicht zu. Wenigstens Dario Giuseppetti bekam kurz vor Rennbeginn grünes Licht vom Arzt, aber man merkte am gesamten Wochenende, das er von seiner Maximalleistung meilenweit entfernt war. Die freien Trainingsläufe und die Zeittrainings verliefen ohne größere Zwischenläufe und bestätigten die bisherigen Kräfteverhältnisse. Marc Moser konnte in der Klasse IDM Supersport mit einem zweiten Rang nach der Qualifikation positiv überraschen. Für den Sonntag hatte der Wetterdienst heftige Schauer, Gewitter, Hagel und unwetterartige Zustände angekündigt. Ein Umstand der einem am Nürburgring Angst und Schrecken einjagen kann. Eines vorab – außer einem Schauer am Freitag und am Sonntag passierte nichts.
Der Österreicher Michael Ranseder hat auf dem Nürburgring seinen ersten Sieg in der IDM Superbike errungen. Der BMW-Pilot Ranseder befand sich von Beginn des Rennens an in einer Spitzengruppe mit Martin Bauer (KTM), Matej Smrz(KTM), Karl Muggeridge (Honda) und Barry Veneman (BMW). In der 4. Runde verabschiedete sich Smrz mit einem Sturz aus dem Rennen, während die Führung zwischen Bauer und Ranseder ständig wechselte. Muggeridge und Veneman schauten sich das muntere Treiben an ohne in den Kampf um die Spitze richtig eingreifen zu wollen. Um den fünften Platz kämpfte eine Gruppe mit Jörg Teuchert (Yamaha), Damian Cudlin (BMW), Gareth Jones (BMW) und Markus Reiterberger (BMW). Es war erfrischend zuzusehen, wie der junge Reiterberger, der im letzten Jahr noch den Yamaha R6-Cup gewonnen hat, mit durchaus respektablen und erfahrenen IDM-Piloten beim Kampf um die Positionen mithalten konnte. Am Ende sprang der sechste Platz vor Damian Cudlin heraus. Der Sieg ging, wie bereits erwähnt an Michael Ranseder, der den knappen Vorsprung vor Martin Bauer über die Ziellinie retten konnte. Den dritten Platz belegte Karl Muggeridge vor Barry Veneman.
Inzwischen begann die Strecke aber wieder soweit abzutrocknen, das ein Start mit Regenreifen langfristig die schlechtere Option war. Zu Beginn des Rennens konnte sich Jörg Teuchert etwas vom Feld absetzen. Der einzige ernsthafte Verfolger war Matej Smrz mit seiner KTM. Während sich Smrz Meter für Meter an Teuchert herankämpfte, wurde dahinter munter um die Positionen gerangelt. Dabei kamen sich Troy Herfoss (Suzuki) und Barry Veneman (BMW) am Ende der Zielgeraden etwas zu nahe. Beide konnten aber nach dem Gerangel das Rennen wieder aufnehmen und beendeten das Rennen auf den Positionen 12 und 13. Zwei Runden vor Schluß war es dann um die Führung von Jörg Teuchert geschehen. Matej Smrz ging an Teuchert vorbei und gab die Führung bis ins Ziel nicht mehr ab. Den dritten Platz sicherte sich etwas überraschend Freddy Papunen (BMW) vor Karl Muggeridge (Honda) und Gisbert van Ginhoven (BMW).
Samstag ist Jesko Günther-Tag. Der Wuppertaler konnte bisher alle Rennen am Samstag gewinnen. Daran änderte sich auch auf dem Nürburgring nichts und Günther steuerte seine Yamaha zu einem souveränen Start-Ziel Sieg. Dahinter produzierten die Verfolger etwas Kleinholz. Besonders ärgerlich war die Karambolage zwischen Günther Knobloch und Marc Moser, da es Knobloch wichtige Punkte in der Meisterschaft kostete und Moser um den Lohn einer wirklich guten Trainingsleistung brachte. Von dem ansonsten folgenlosen Sturz profitierte Daniel Sutter der seine Kawasaki auf den zweiten Platz brachte und Thomas Walter, der nach beherztem Kampf noch den dritten Platz eroberte.
Im zweiten Rennen der IDM Supersport passierte ganz und gar Unerwartetes. Es gewann diesmal nicht Daniel Sutter - der Sonntag war bisher sein Tag, sondern wiederum Jesko Günther. Zu Beginn des Rennen konnte sich eine Gruppe mit Jesko Günther (Yamaha), Günther Knobloch(Yamaha), Daniel Sutter (Kawasaki) und Stefan Kerschbaumer (Yamaha) absetzen. Im weiteren Rennverlauf bildeten sich zwei Gruppen – das Führungsduo mit Günther/Knobloch sowie die Verfolgergruppe mit Sutter/Kerschbaumer/Linorter. Zur letztgenannten Gruppe konnte später noch Gaststarter Michael van der Mark (Honda) vom Ten Kate Junior Team aufschließen.
In der 15.Runde wurde das Rennen wegen eines Sturzes mit der roten Flagge abgebrochen. Auf einen Neustart wurde verzichtet, da genug Runden gefahren wurden um das Rennen zu werten. Somit siegte Jesko Günther vor Günther Knobloch und Daniel Sutter. Der undankbare vierte Platz ging an Michael van der Mark.
Eine extrem spannende Angelegenheit war das Rennen der IDM 125. Vom Start weg bildete sich eine Spitzengruppe mit Jack Miller (Aprilia), Alexander Kristiansson (KTM), Toni Finsterbusch (KTM), Luca Amato (Aprilia), Maximilian Eckner (Aprilia) und Phillip Öttl). Diese Gruppe schenkte sich im weiteren Rennverlauf wirklich nichts und blieb innerhalb einer Sekunde. Lediglich Phillip Öttl verschenkte in Runde 17 durch einen Fahrfehler 3 Sekunden auf die Spitzengruppe und verlor etwas den Anschluß. In der letzten Runde musste die Entscheidung fallen – Jack Miller kam mit 1/10-Sekunde Vorsprung vor Toni Finsterbusch durch die NGK-Schikane, aber Finsterbusch konnte sich in der letzten Kurve an Miller vorbeidrücken und holte den ersten Sieg der Saison und auch die ersten Punkte. Alexander Kristiansson komplettierte das Podest. Titelverteidiger Luca Grünwald kam, wie in den vorigen Rennen, nie richtig in Schwung und kam auf Platz 7 ins Ziel.
Das Rennen der IDM Sidecar war eine klare Angelegenheit für Pekka Päivärinta und Adolf Henni (LCR Suzuki). Sie fuhren zu einem nie gefährdeten Start-Ziel Sieg mit 37 Sekunden Vorsprung vor Kurt Hock und Enrico Becker (LCR Suzuki). Lediglich um den dritten Platz wurde zwischen Jakob Rutz/ Ueli Wäfler und Stefan Kiser/Sandro Michelotto richtig gekämpft. Erstgenannte behielten die Oberhand in einem wenig spannenden Rennen, das durch enorme Leistungsunterschiede geprägt wurde.
Der Yamaha R6-Cup ist eine gute Schule für Nachwuchsfahrer. Große Starterfelder, Rennmaschinen mit identischer Leistung und hochmotivierte Nachwuchsfahrer gegen die man sich durchsetzen muss. Dieser harte Kampf führt aber auch zu jeder Menge Bodenkontakt und daher auch zu häufigen Rennabbrüchen. Der 3. Lauf auf dem Nürburgring machte da keine Ausnahme. Nachdem das Rennen nach 7 Runden abgebrochen werden musste, kam nach dem Neustart das Feld nur bis zur Mercedes-Arena. Der gestürzte Fahrer konnte nicht schnell genug geborgen werden und somit sahen die Fahrer erneut die rote Flagge. Auf einen weiteren Start wurde verzichtet, so daß nach 7 gefahrenen Runden Jesko Raffin als Sieger gewertet wurde. Lucy Glöckner konnte ihre Pole-Position mit über einer Sekunde Vorsprung nicht im Rennen umsetzen und wurde als Zweite vor Alain Bonnet gewertet.
Nach drei von acht Läufen und 6 bzw. 3 Rennen in den IDM-Klassen lohnt schon mal ein Blick auf die Meisterschaftstabellen. Dank des Ausfalls von Matej Smrz im ersten Rennen ist die Spitzengruppe in der Tabelle enger zusammengerückt. Das Spitzentrio Smrz, Bauer und Muggeridge trennen maximal 7 Punkte. Durch den Sieg von Michi Ranseder hat auch er Anschluss an die Spitze gefunden. Dario Giuseppetti hat am Nürburgring keine Punkte eingefahren und ist somit in der Tabelle empfindlich zurückgefallen.
In der IDM Supersport haben sich die Herren Günther, Sutter und Knobloch schon ein wenig von dem Rest der Truppe abgesetzt. Wenn die Konkurrenz nicht bald ordentlich Gas gibt kann der neue Meister in dieser Klasse nur aus diesem Trio kommen, wobei der Ausfall von Günther Knobloch im ersten Rennen sich im späteren Verlauf der Meisterschaft noch suboptimal auswirken könnte.
Das Führungstrio Miller, Amato und Kristiansson hat sich in der IDM 125 schon etwas Luft zu den Verfolgern geschafft. Toni Finsterbusch hat eindrucksvoll die ersten Punkte in der Meisterschaft eingefahren. Ob er noch mal den Anschluss an die Spitze schafft bleibt abzuwarten. Die Tatsache, das dieses Jahr nur ein Rennen pro Wochenende gefahren wird, macht die Sache für ihn nicht leichter.
Bei den Seidenwagen wird die Meisterschaft zwischen Kurt Hock und Pekka Päivärinta entschieden, der Rest des Feldes fällt leistungsmäßig doch zu stark ab.